Ziehende Schmerzen an der Außen- oder Innenseite des Ellenbogens, die bis in den Unterarm ausstrahlen: Tennisarm und Golferarm gehören zu den häufigsten Beschwerdebildern am Ellenbogen. Wir erklären, was dahintersteckt und wie eine wirksame Therapie aussieht.
Epicondylopathia radialis (Tennisarm) bzw. ulnaris humeri (Golferarm)
Sehnenansätze der Unterarmmuskulatur am Ellenbogen
meist zwischen dem 35. und 55. Lebensjahr
in der Regel gut konservativ behandelbar, oft über mehrere Wochen bis Monate
Wenn beim Händeschütteln, beim Anheben einer Kaffeetasse oder beim Öffnen eines Schraubverschlusses plötzlich ein stechender Schmerz am Ellenbogen auftritt, ist meist von einem "Tennisarm" oder "Golferarm" die Rede. Medizinisch handelt es sich um eine Epicondylopathie – eine schmerzhafte Reizung der Sehnenansätze am Ellenbogenknochen. Der Tennisarm (Epicondylopathia radialis humeri, auch Epicondylitis humeri radialis genannt) betrifft die Außenseite des Ellenbogens und damit die Sehnenansätze der Handstrecker. Der Golferarm (Epicondylopathia ulnaris humeri) betrifft die Innenseite und damit die Sehnenansätze der Handbeuger.
Beide Beschwerdebilder gehören zu den häufigsten Überlastungsproblemen am Bewegungsapparat überhaupt. Der Name ist dabei irreführend: Nur ein kleiner Teil der Betroffenen bekommt die Beschwerden tatsächlich durch Tennis oder Golf. In der Praxis sehen wir deutlich häufiger Menschen, die viel am Computer arbeiten, handwerklich tätig sind, ein Handy oder Werkzeug über Stunden greifen oder sich im Alltag durch monotone, sich wiederholende Handbewegungen belasten. Auch Hobbys wie Klettern, Stricken oder Gartenarbeit können Auslöser sein.
Typisch ist ein schleichender Beginn: Die Beschwerden entwickeln sich meist nicht durch ein einzelnes Ereignis, sondern bauen sich über Wochen auf, zunächst als leichtes Ziehen bei bestimmten Bewegungen, später als deutlicher Schmerz, der auch einfache Alltagstätigkeiten wie das Tragen einer Einkaufstasche, das Drehen eines Türgriffs oder das Tippen auf der Tastatur erschwert. Manche Betroffene bemerken zusätzlich ein Kraftdefizit beim Zugreifen, etwa wenn ein Glas nicht mehr sicher geöffnet werden kann, oder ein leichtes Ausstrahlen der Beschwerden in den Unterarm.
Betroffen sind vor allem Menschen im mittleren Lebensalter, häufig zwischen 35 und 55 Jahren, wobei beide Geschlechter etwa gleich häufig betroffen sind. Der Tennisarm tritt in der Praxis deutlich öfter auf als der Golferarm. Für Menschen in Idar-Oberstein und Umgebung, die beruflich viel am Schreibtisch, in der Werkstatt oder im Handwerk arbeiten, ist das Thema entsprechend alltagsrelevant – die gute Nachricht: In den allermeisten Fällen lässt sich die Beschwerde ohne Operation gezielt behandeln, wenn frühzeitig und konsequent gegengesteuert wird.
Meist ist der dominante Arm betroffen, also bei Rechtshändern in der Regel der rechte Arm, da dieser im Alltag am häufigsten und intensivsten beansprucht wird. Das unterstreicht noch einmal, dass die Alltagsbelastung und nicht der gelegentliche Sport die entscheidende Rolle spielt. Manche Betroffene erleben die Beschwerden auch beidseitig, insbesondere wenn beide Arme in Beruf oder Alltag ähnlich stark beansprucht werden.
Am Ellenbogen liegen zwei knöcherne Vorsprünge des Oberarmknochens (Humerus), die Epikondylen: der äußere (laterale) und der innere (mediale) Epikondylus. An diesen Knochenpunkten setzen die Sehnen der Unterarmmuskulatur an, die für die Bewegung von Hand und Fingern zuständig ist.
Beim Tennisarm ist der äußere Epikondylus betroffen. Dort entspringen die Streckmuskeln der Hand und Finger, allen voran der kurze Speichen-Handstrecker (Extensor carpi radialis brevis). Dieser Muskel ist bei den meisten Betroffenen die Hauptquelle der Beschwerden, da er bei nahezu jeder Greif- und Hebebewegung mitarbeitet, um das Handgelenk zu stabilisieren.
Beim Golferarm ist der innere Epikondylus betroffen. Hier setzen die Beugemuskeln der Hand an, insbesondere der speichenseitige Handbeuger (Flexor carpi radialis), der ellenseitige Handbeuger (Flexor carpi ulnaris) und der lange Hohlhandmuskel (Palmaris longus), teils auch der Rundwender des Unterarms (Pronator teres).
Als Hauptursache gilt eine Überlastung dieser Sehnenansätze durch wiederholte, oft kleinteilige Bewegungen – nicht der einzelne kräftige Schlag, sondern die Summe vieler kleiner Reize über Wochen und Monate. Typische Auslöser, die wir in der Praxis häufig sehen, sind:
Begünstigend wirken außerdem eine unzureichende Kraft und Ausdauer der Unterarm-, Schulter- und Rumpfmuskulatur, muskuläre Dysbalancen sowie psychische Anspannung, die sich häufig in einer erhöhten Grundspannung der Unterarmmuskulatur niederschlägt. Auch die Ergonomie am Arbeitsplatz spielt eine wichtige Rolle: Eine zu hohe oder zu niedrige Tischplatte, eine ungünstig positionierte Maus oder eine über Stunden abgeknickte Handgelenkshaltung erhöhen die Dauerbelastung auf die Sehnenansätze, ohne dass Betroffene dies im Alltag unmittelbar bemerken.
Ein weiterer, oft unterschätzter Faktor ist die sogenannte kinetische Kette: Hand, Unterarm, Ellenbogen, Schulter und Rumpf arbeiten bei den meisten Alltags- und Sportbewegungen als Einheit zusammen. Ist beispielsweise die Schulter- oder Rumpfstabilität eingeschränkt, muss die Unterarmmuskulatur einen größeren Anteil der Kraft- und Kontrollaufgabe übernehmen, was die Sehnenansätze am Ellenbogen zusätzlich belastet. Deshalb betrachten wir in der Physiotherapie nie nur den schmerzenden Punkt am Ellenbogen isoliert, sondern immer auch die angrenzenden Gelenke und die Bewegungsqualität der gesamten oberen Extremität.
Seltener liegen den Beschwerden auch andere Faktoren zugrunde, etwa eine vorbestehende Reizung durch eine Halswirbelsäulen-Problematik mit ausstrahlenden Beschwerden in den Arm, eine allgemeine Bindegewebsschwäche oder Stoffwechselerkrankungen, die die Sehnenqualität beeinflussen können. Deshalb ist es sinnvoll, bei unklaren oder untypisch verlaufenden Beschwerden ärztlich abklären zu lassen, ob tatsächlich eine klassische Epicondylopathie vorliegt oder eine andere Ursache infrage kommt.
Der Name "Epicondylitis" mit der Endung "-itis" legt eine akute Entzündung nahe – tatsächlich zeigt die Forschung aber, dass es sich bei länger bestehenden Beschwerden meist nicht um eine klassische Entzündung handelt, sondern um einen degenerativen Umbauprozess der Sehne, eine sogenannte Tendinose. Fachlich präziser spricht man deshalb von Epicondylopathie oder Tendinopathie statt Epicondylitis, auch wenn sich der ältere Begriff im Alltag hartnäckig hält.
Was bedeutet das konkret? Eine gesunde Sehne besteht aus straff parallel angeordneten Kollagenfasern, die Zugkräfte zuverlässig übertragen. Wird eine Sehne wiederholt stärker belastet, als sie sich in der verfügbaren Zeit erholen und anpassen kann, entstehen winzige Mikroverletzungen im Kollagengewebe. Normalerweise repariert der Körper solche Mikroschäden problemlos – Sehnengewebe ist grundsätzlich anpassungsfähig und reagiert auf Belastungsreize mit Wachstum und Stärkung. Kommt jedoch kein ausreichender Erholungszeitraum dazwischen, gerät dieser Reparaturprozess ins Stocken. Es kommt zu einer sogenannten angiofibroblastischen Degeneration: Die Kollagenfasern verlieren ihre geordnete Struktur, es lagert sich vermehrt Grundsubstanz ein, und es bilden sich neue, aber minderwertige Blutgefäße und feine Nervenfasern in das eigentlich gefäßarme Sehnengewebe ein. Diese Fehlheilung – nicht eine akute Entzündungsreaktion – ist der zentrale Mechanismus hinter den chronischen Beschwerden.
Diese neu eingesprossten Nervenfasern erklären auch, warum die betroffene Stelle so empfindlich auf Druck und Bewegung reagiert: Sie liegen unmittelbar im geschädigten, minderwertigen Gewebe und werden bei jeder Belastung mitgereizt. Gleichzeitig verändert sich bei länger bestehenden Beschwerden auch die Schmerzverarbeitung im Nervensystem selbst. Halten Schmerzen über Wochen an, kann sich die Reizschwelle im Rückenmark und Gehirn absenken – das Nervensystem wird gewissermaßen empfindlicher und meldet schon bei geringen Reizen Schmerz. Das ist ein wichtiger Grund, warum manche Betroffene auch bei eigentlich harmlosen Bewegungen deutliche Schmerzen spüren, obwohl das Gewebe selbst gar nicht akut geschädigt wird.
Genau hier liegt der Schlüssel, warum reine Schonung oder passive Maßnahmen wie Massage, Wärme oder Elektrotherapie allein meist nicht ausreichen, um die Beschwerden dauerhaft zu lösen: Sie können kurzfristig Schmerzen lindern und die Durchblutung verbessern, sprechen aber nicht das eigentliche Problem an – die gestörte Struktur und Belastbarkeit der Sehne. Aktives, dosiertes Training dagegen setzt genau an diesem Punkt an. Kontrollierte mechanische Belastung, insbesondere exzentrisches Training (also das kontrollierte Abbremsen einer Bewegung, bei der sich der Muskel unter Spannung verlängert), liefert der Sehne den Reiz, den sie braucht, um die Kollagenfasern neu und geordnet auszurichten und die minderwertigen, überempfindlichen Blutgefäß- und Nerveneinsprossungen zurückzubilden. Zusätzlich verbessert Bewegung die lokale Durchblutung und den Stoffwechsel im Sehnengewebe, das ohnehin nur schlecht durchblutet ist und sich deshalb langsamer erholt als beispielsweise ein Muskel.
Auch die umliegende Muskulatur profitiert von gezieltem Training: Wird die Kraft und Ausdauer der Unterarm-, Ellenbogen- und Schultermuskulatur gezielt aufgebaut, sinkt die relative Belastung, die bei alltäglichen Bewegungen auf den einzelnen, gereizten Sehnenansatz wirkt – die Last verteilt sich besser auf ein leistungsfähigeres System. Nicht zuletzt spielt auch die zentrale Schmerzverarbeitung eine Rolle: Regelmäßige, positiv erlebte Bewegung ohne Angst vor Schädigung hilft dem Nervensystem dabei, die übersteigerte Schmerzmeldung wieder zu "normalisieren". Deshalb ist aktive Bewegungstherapie – angepasst an die individuelle Belastbarkeit – der zentrale Baustein einer wirksamen Behandlung, während rein passive Anwendungen eher unterstützend wirken.
Ein weiterer Aspekt betrifft die Belastungssteuerung selbst: Sehnengewebe reagiert nach dem Prinzip von Reiz und Anpassung, ähnlich wie Muskulatur oder Knochen, allerdings deutlich langsamer, da es schlechter durchblutet ist und der Zellstoffwechsel im Kollagengewebe insgesamt träger abläuft. Ein einzelnes Training verändert die Sehnenstruktur daher kaum spürbar – erst die wiederholte, über Wochen fortgeführte Belastung mit ausreichenden Erholungspausen dazwischen führt zu einem messbaren Umbau hin zu einer geordneten, belastbareren Kollagenstruktur. Wird dagegen zu selten, zu unregelmäßig oder mit zu geringer Intensität trainiert, bleibt der notwendige Anpassungsreiz aus und die Sehne verharrt im degenerativen Zustand. Wird umgekehrt zu intensiv oder zu häufig ohne ausreichende Pausen trainiert, kann das Gewebe erneut überlastet werden, bevor es sich erholen konnte. Genau zwischen diesen beiden Extremen die richtige, individuell passende Dosierung zu finden, ist eine der zentralen Aufgaben der physiotherapeutischen Begleitung.
Die Diagnose von Tennisarm und Golferarm wird ärztlich gestellt, meist durch die Hausarztpraxis oder eine orthopädische Praxis. Als Physiotherapeuten führen wir keine ärztliche Diagnose durch, sondern eine gründliche physiotherapeutische Befunderhebung, die die ärztliche Abklärung sinnvoll ergänzt und die Grundlage für die Behandlung bildet.
In der Regel genügt für die ärztliche Diagnose bereits die Anamnese in Kombination mit einer klinischen Untersuchung. Typisch sind dabei folgende Befunde:
Diese klinischen Provokationstests sind deshalb so aussagekräftig, weil sie gezielt genau die Muskel-Sehnen-Einheit unter Spannung setzen, die vom Beschwerdebild betroffen ist. Löst der Widerstandstest den bekannten Schmerz an der typischen Stelle aus, spricht das stark für eine Epicondylopathie und weniger für andere Ursachen im Ellenbogenbereich.
Bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Röntgen oder MRT sind für die reine Diagnosestellung meist nicht zwingend nötig, können aber sinnvoll sein, um andere Ursachen auszuschließen – etwa Nerveneinengungen, Gelenkverschleiß, knöcherne Veränderungen oder in seltenen Fällen entzündlich-rheumatische Erkrankungen. Bestehen die Beschwerden trotz konsequenter Behandlung über mehrere Monate fort oder bestehen untypische Begleitsymptome, ist eine weiterführende ärztliche Abklärung sinnvoll.
Wichtig ist auch die Abgrenzung zu anderen Beschwerdebildern, die ähnliche Schmerzen im Ellenbogenbereich verursachen können. Dazu gehören etwa Nervenengpasssyndrome wie das Kubitaltunnelsyndrom, bei dem der Ellennerv (Nervus ulnaris) eingeengt ist und Kribbeln oder Taubheitsgefühl in Ring- und Kleinfinger auslösen kann, oder Beschwerden, die von der Halswirbelsäule ausstrahlen. Auch eine Reizung der Ellenbogen-Schleimbeutel (Bursitis) oder ein Verschleiß des Ellenbogengelenks selbst können ähnliche Beschwerden verursachen, weisen aber ein anderes Befundmuster auf. Diese Differenzialdiagnostik ist ärztliche Aufgabe, sie erklärt aber, warum eine sorgfältige Untersuchung vor Therapiebeginn wichtig ist.
In der Physiotherapie ergänzen wir die ärztliche Diagnose um eine funktionelle Analyse: Wir schauen uns Haltung, Bewegungsmuster, Kraft und Beweglichkeit von Handgelenk, Ellenbogen, Schulter und teils der Halswirbelsäule an, testen die Kraft der einzelnen Muskelgruppen im Seitenvergleich und erfassen, welche Alltags-, Berufs- oder Sportbewegungen die Beschwerden auslösen oder verstärken. Diese individuelle Befunderhebung ist die Grundlage dafür, das Trainingsprogramm passgenau auf die jeweilige Belastungssituation abzustimmen, statt ein starres Schema anzuwenden.
Die gute Nachricht vorweg: Tennisarm und Golferarm lassen sich in den allermeisten Fällen konservativ, also ohne Operation, erfolgreich behandeln. Eine Operation kommt nur bei einem kleinen Teil der Betroffenen infrage, wenn trotz konsequenter, über längere Zeit durchgeführter konservativer Therapie keine ausreichende Besserung eintritt. Das deckt sich mit den Empfehlungen der S2k-Leitlinie Epicondylopathia radialis humeri (AWMF-Register-Nr. 187-052), die konservative Maßnahmen als Therapie der ersten Wahl vorsieht.
Die Behandlung orientiert sich sinnvollerweise am jeweiligen Beschwerdestadium, wobei die Übergänge fließend sind:
Zu Beginn steht im Vordergrund, die akute Reizung zu beruhigen und schmerzauslösende Bewegungen zu identifizieren und vorübergehend zu reduzieren – vollständige Ruhigstellung ist dabei in der Regel weder nötig noch sinnvoll, da die Sehne auch in dieser Phase von leichter, dosierter Belastung profitiert. Kühlung kann bei akuten, deutlich entzündlich imponierenden Beschwerden kurzfristig lindernd wirken. Manuelle Techniken, Weichteilbehandlung und leichte Mobilisation von Handgelenk, Ellenbogen und Schulter können die Beweglichkeit erhalten und die muskuläre Grundspannung senken. In dieser Phase ist es zudem wichtig, gemeinsam herauszuarbeiten, welche konkrete Alltags-, Berufs- oder Sportbewegung die Beschwerden ausgelöst hat, damit diese so früh wie möglich angepasst werden kann, statt die Sehne weiter im gleichen Ausmaß zu reizen.
Sobald die akute Reizung nachlässt, rückt der aktive Aufbau der Belastbarkeit in den Mittelpunkt. Kernstück ist ein progressives Kräftigungsprogramm der betroffenen Unterarmmuskulatur, häufig mit exzentrischem oder exzentrisch-konzentrischem Schwerpunkt. Die Belastung wird dabei schrittweise gesteigert – leichte, ziehende Beschwerden während des Trainings sind meist unbedenklich, deutlich zunehmender Schmerz danach oder am Folgetag ist ein Signal, die Dosierung anzupassen. Ergänzend werden Kraft und Koordination von Schulter, Rumpf und Handgelenk mit einbezogen, da eine stabile "Kette" vom Rumpf bis zur Hand den einzelnen Sehnenansatz entlastet. In dieser Phase steigern wir Trainingsgewicht, Wiederholungszahl und Bewegungsgeschwindigkeit schrittweise, orientiert an der individuellen Reaktion des Gewebes – ein zu schneller Belastungssprung kann die Beschwerden erneut verstärken, ein zu vorsichtiges Vorgehen verzögert dagegen unnötig den Fortschritt. Diese Feinabstimmung ist einer der Gründe, warum eine fachkundige Begleitung des Trainingsaufbaus sinnvoll ist.
In der letzten Phase geht es darum, die aufgebaute Belastbarkeit auf die individuellen Anforderungen im Alltag, Beruf oder Sport zu übertragen – etwa auf die Schlagtechnik beim Tennis, die Handhaltung am Arbeitsplatz oder spezifische handwerkliche Bewegungsabläufe. Dazu gehören zunehmend funktionelle, alltags- oder sportnahe Übungen, die die zuvor isoliert trainierte Kraft in komplexere, realitätsnahe Bewegungsabläufe überführen. Ziel ist eine dauerhaft belastbare Sehne, die auch unter Alltagsbedingungen stabil bleibt und nicht bei jeder etwas intensiveren Belastung erneut Beschwerden verursacht.
Neben der aktiven Bewegungstherapie kommen je nach Befund ergänzend weitere Verfahren zum Einsatz, etwa Quermassagen (Friktionen) zur gezielten Behandlung des Sehnengewebes, Stoßwellentherapie oder eine vorübergehend entlastende Epicondylitis-Spange, die den Zug auf den Sehnenansatz reduziert. Medikamentöse Optionen wie entzündungshemmende Schmerzmittel oder – in ausgewählten Fällen – Injektionen liegen im ärztlichen Verantwortungsbereich und werden individuell mit der Ärztin oder dem Arzt abgestimmt.
Ein wichtiger, oft unterschätzter Baustein der Therapie ist zudem die Anpassung der auslösenden Belastung selbst. Das bedeutet nicht zwangsläufig, eine Tätigkeit komplett aufzugeben, sondern sie so zu verändern, dass die Sehne die Chance zur Erholung und Anpassung bekommt: kürzere Belastungsintervalle mit Pausen, ein angepasster Handgriff am Werkzeug, eine ergonomischere Sitzposition am Schreibtisch oder eine überarbeitete Schlagtechnik im Sport. Diese Alltagsanpassung wirkt am wirksamsten in Kombination mit dem aktiven Training, denn ohne sie bleibt der ursprüngliche Überlastungsreiz bestehen, während ohne Training die Sehne nicht robuster wird.
Auch die Schmerzedukation ist ein relevanter Baustein: Zu verstehen, dass es sich meist um einen gut behandelbaren Überlastungsprozess und nicht um eine strukturelle Schädigung mit drohendem "Verschleiß" handelt, hilft vielen Betroffenen, die Bewegungsangst abzubauen, die sonst zu unnötiger Schonung und damit zu einer Verzögerung der Heilung führen kann. Eine realistische, aktive Grundhaltung gegenüber den Beschwerden ist Teil eines erfolgreichen Therapiekonzepts.
Die folgenden Übungen zeigen exemplarisch, wie ein Kräftigungsprogramm aufgebaut sein kann. Sie ersetzen keine individuelle Anleitung, sondern sollen einen Eindruck vermitteln – die konkrete Dosierung (Gewicht, Wiederholungszahl, Tempo) sollte immer an die aktuelle Belastbarkeit angepasst und im Zweifel physiotherapeutisch angeleitet werden.
Für den Alltag helfen außerdem folgende Tipps: Achte am Arbeitsplatz auf eine ergonomische Handgelenkshaltung, etwa eine gerade statt abgeknickte Stellung bei der Mausbedienung, und stelle Tisch- und Stuhlhöhe so ein, dass die Unterarme beim Arbeiten entspannt aufliegen können. Wechsle bei sich wiederholenden Tätigkeiten regelmäßig die Position und baue kurze Pausen ein, in denen du die Unterarmmuskulatur lockerst und leicht dehnst. Bei handwerklichen Tätigkeiten kann ein größerer, ergonomischer Werkzeuggriff die Belastung auf die Sehnenansätze reduzieren, ebenso das Verteilen längerer Tätigkeiten auf mehrere kürzere Etappen mit Pausen dazwischen.
Sportlich Aktive profitieren häufig davon, Schlägergriff, Saitenspannung, Griffstärke oder Schlagtechnik fachkundig überprüfen zu lassen, da diese Faktoren die Belastung am Ellenbogen deutlich beeinflussen können. Beim Tragen schwerer Einkaufstaschen oder Gegenstände hilft es, das Gewicht möglichst gleichmäßig auf beide Arme zu verteilen und die Hand nicht dauerhaft in einer angespannten Greifposition zu halten. Auch auf ausreichend Schlaf und einen bewussten Umgang mit allgemeinem Stress zu achten kann sich günstig auswirken, da eine erhöhte muskuläre Grundspannung die Sehnenansätze zusätzlich beansprucht. Generell gilt: Kurze, aber regelmäßige Bewegungspausen und ein bewusster Wechsel zwischen Belastung und Erholung sind im Alltag oft wirkungsvoller als seltene, aber lange Ruhephasen.
Tennisarm und Golferarm haben insgesamt eine gute Prognose: Bei konsequenter konservativer Behandlung bessern sich die Beschwerden bei den allermeisten Betroffenen deutlich. Der Zeitverlauf ist dabei individuell sehr unterschiedlich und hängt unter anderem davon ab, wie lange die Beschwerden bereits bestehen, wie konsequent die Belastung angepasst und das Training durchgeführt wird, und wie ausgeprägt die Sehnenveränderungen bereits sind.
Bei frisch aufgetretenen, akuten Beschwerden ist häufig innerhalb weniger Wochen eine spürbare Besserung möglich. Bei länger bestehenden, chronischen Verläufen – die Sehne hat dann meist bereits deutlichere strukturelle Umbauprozesse durchlaufen – kann die Erholung mehrere Monate in Anspruch nehmen. Ein regelmäßiges, über mehrere Wochen fortgeführtes Kräftigungsprogramm ist dabei erfahrungsgemäß deutlich wirksamer als kurzfristige Einzelmaßnahmen, da sich Sehnengewebe grundsätzlich langsamer anpasst als Muskulatur.
Wichtige Einflussfaktoren auf den Verlauf sind unter anderem die konsequente Umsetzung der Übungen im Alltag, eine realistische Anpassung belastender Tätigkeiten, ausreichend Erholungszeit zwischen intensiveren Belastungsphasen sowie allgemeine Faktoren wie Stresslevel und Schlafqualität, die die Regenerationsfähigkeit des Körpers beeinflussen. Auch das Ausmaß der ursprünglichen Überlastung spielt eine Rolle: Wer die auslösende Tätigkeit unverändert in gleicher Intensität fortsetzt, muss mit einem langsameren oder wechselhafteren Verlauf rechnen als jemand, der die Belastung frühzeitig anpasst.
Nicht selten verläuft die Besserung nicht geradlinig, sondern in Wellen: Phasen spürbarer Fortschritte wechseln sich mit Tagen ab, an denen die Beschwerden nach einer ungewohnt intensiven Belastung vorübergehend wieder zunehmen. Das ist im Rahmen eines aktiven Trainingsaufbaus normal und kein Grund, das Programm abzubrechen – wichtig ist, die Belastung dann kurzzeitig anzupassen und anschließend wieder behutsam zu steigern. Auch nach erfolgreicher Behandlung ist es sinnvoll, die aufgebaute Kraft der Unterarmmuskulatur durch gelegentliches weiterführendes Training zu erhalten, um einem erneuten Auftreten vorzubeugen, insbesondere wenn die ursprünglich auslösende berufliche oder sportliche Belastung fortbesteht.
Mythos: Ein Tennisarm entsteht nur durch Tennisspielen.
Fakt: Die meisten Betroffenen haben nie oder nur gelegentlich Tennis gespielt. Weitaus häufiger sind Bildschirmarbeit, handwerkliche Tätigkeiten oder andere sich wiederholende Alltagsbewegungen die Ursache der Überlastung.
Mythos: Der Arm muss vollständig ruhiggestellt werden, bis der Schmerz komplett verschwunden ist.
Fakt: Vollständige, langanhaltende Ruhigstellung verzögert die Erholung eher, da die Sehne gezielte Belastungsreize braucht, um sich anzupassen. Sinnvoller ist eine dosierte, an die Beschwerden angepasste Bewegung statt kompletter Schonung.
Mythos: Da "Epicondylitis" auf eine Entzündung hindeutet, helfen entzündungshemmende Mittel allein dauerhaft.
Fakt: Bei länger bestehenden Beschwerden handelt es sich meist um einen degenerativen Sehnenumbau statt um eine klassische Entzündung. Entzündungshemmer können kurzfristig Schmerzen lindern, ersetzen aber nicht den gezielten, aktiven Belastungsaufbau der Sehne.
Mythos: Massage und Wärmebehandlung allein reichen aus, um die Beschwerden dauerhaft loszuwerden.
Fakt: Passive Anwendungen können kurzfristig entlasten und die Durchblutung fördern, sprechen aber nicht die eigentliche Ursache an. Ein nachhaltiger Therapieerfolg gelingt in der Regel nur mit aktivem, dosiertem Krafttraining der betroffenen Muskulatur.
Mythos: Wenn konservative Maßnahmen nicht sofort wirken, hilft nur noch eine Operation.
Fakt: Eine Operation ist nur bei einem kleinen Teil der Betroffenen nötig, meist erst nach konsequent durchgeführter konservativer Therapie über einen längeren Zeitraum ohne ausreichende Besserung. Voreiliges Aufgeben der konservativen Behandlung ist daher selten sinnvoll.
Physiotherapie wirkt vor allem dann gut, wenn sie aktiv ist und die Belastbarkeit der Sehne gezielt aufbaut, statt sich nur auf passive Anwendungen zu verlassen. Besonders bei Beschwerden, die durch Überlastung im Alltag, Beruf oder Sport entstanden sind, lässt sich mit einem individuell dosierten Kräftigungsprogramm meist eine deutliche Besserung erreichen. Wichtig ist dabei, dranzubleiben, da sich Sehnengewebe langsamer anpasst als Muskulatur.
Wenn die auslösende Überlastung im Alltag unverändert weiterbesteht, kann selbst die beste Therapie nur begrenzt wirken. Auch bei untypischen Beschwerden wie starker Schwellung, Taubheitsgefühlen, nächtlichen Ruheschmerzen oder Beschwerden nach einem Sturz sollte vorab ärztlich abgeklärt werden, ob eine andere Ursache vorliegt. Bei sehr lange bestehenden, ausgeprägten Beschwerden kann der Heilungsprozess trotz guter Therapie mehr Geduld erfordern.
Das ist individuell unterschiedlich. Manche spüren bereits nach wenigen Wochen konsequenten Trainings eine Besserung, bei länger bestehenden, chronischen Beschwerden kann es mehrere Monate dauern, bis sich die Sehne spürbar erholt. Entscheidend ist weniger die Geschwindigkeit einzelner Behandlungen als die kontinuierliche Umsetzung des Übungsprogramms über einen längeren Zeitraum.
Das hängt vom individuellen Befund, der Beschwerdedauer und den Begleitfaktoren ab, weshalb wir dazu keine pauschale Zahl nennen können. Häufig ist eine Serie von physiotherapeutischen Terminen sinnvoll, in denen das Übungsprogramm angeleitet, kontrolliert und schrittweise gesteigert wird, während zwischen den Terminen das eigenständige Training zu Hause im Vordergrund steht.
Aktives Training setzt gezielt Belastungsreize auf ein Gewebe, das zuvor geschont oder überlastet wurde. Zu Beginn kann das zu einer leichten, vorübergehenden Reizung führen, ähnlich wie leichter Muskelkater nach ungewohntem Training. Das ist in der Regel kein Zeichen einer Verschlechterung, solange die Beschwerden nach kurzer Zeit wieder abklingen und nicht deutlich zunehmen.
Das eigenständige Üben zwischen den Terminen ist ein zentraler Bestandteil des Therapieerfolgs. Dazu gehört, die angeleiteten Kräftigungsübungen regelmäßig durchzuführen, schmerzauslösende Bewegungen im Alltag zu erkennen und anzupassen sowie auf eine ergonomische Haltung am Arbeitsplatz oder bei handwerklichen Tätigkeiten zu achten. Auch ausreichend Erholungspausen zwischen intensiveren Belastungen unterstützen die Regeneration.
Beim Tennisarm ist die Außenseite des Ellenbogens betroffen, also die Sehnenansätze der Handstreckmuskulatur. Beim Golferarm ist die Innenseite betroffen, also die Sehnenansätze der Handbeugemuskulatur. Die Ursachen, die Diagnostik und die grundsätzlichen Therapieprinzipien ähneln sich stark, auch wenn sich die konkreten Übungen an der jeweils betroffenen Muskelgruppe orientieren.
Ein vollständiger, langfristiger Verzicht ist meist nicht nötig und oft auch nicht sinnvoll. Sinnvoller ist es, die Belastung vorübergehend anzupassen, schmerzauslösende Bewegungsanteile zu reduzieren und parallel gezielt Kraft aufzubauen, um die betroffene Aktivität schrittweise wieder aufzunehmen. Bei Sportarten wie Tennis oder Golf lohnt es sich zusätzlich, Technik und Ausrüstung überprüfen zu lassen.
Eine Spange kann den Zug auf den gereizten Sehnenansatz kurzfristig reduzieren und dadurch Beschwerden im Alltag lindern. Sie ersetzt aber keinen aktiven Kraftaufbau und sollte deshalb eher als vorübergehende, ergänzende Unterstützung verstanden werden statt als alleinige Lösung.
Ja, das ist möglich, insbesondere wenn die auslösende Überlastung über lange Zeit unverändert weiterbesteht oder die Beschwerden nicht konsequent behandelt werden. Deshalb ist es sinnvoll, bei anhaltenden Beschwerden frühzeitig aktiv zu werden, statt lange abzuwarten.
Nein, eine Operation ist nur bei einem kleinen Teil der Betroffenen erforderlich, in der Regel erst dann, wenn eine konsequent durchgeführte konservative Therapie über einen längeren Zeitraum nicht zur ausreichenden Besserung geführt hat. Die S2k-Leitlinie Epicondylopathia radialis humeri sieht konservative Maßnahmen entsprechend als Therapie der ersten Wahl vor.
Regelmäßige kurze Bewegungspausen, eine ergonomisch eingestellte Arbeitsplatzhöhe sowie eine entspannte, nicht abgeknickte Handgelenkshaltung an Maus und Tastatur helfen, die Sehnenansätze am Ellenbogen zu entlasten. Ergänzend kann ein regelmäßiges, moderates Kräftigungstraining der Unterarmmuskulatur die allgemeine Belastbarkeit erhöhen.
Reine Schonung nimmt der Sehne kurzfristig Druck, liefert aber nicht den Belastungsreiz, den das Gewebe braucht, um sich strukturell zu erholen und wieder belastbarer zu werden. Deshalb kombinieren wir Entlastung in der akuten Phase immer mit einem darauf aufbauenden, dosierten Kräftigungsprogramm.
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